Israel/Palästina Nov 2011

    Israel & Palästina: Wahn und Widerspruch

    Hintergrund

    Seit meinem 16. Lebensjahr hat mich der Konflikt im Nahen Osten interessiert. Warum, kann ich nicht genau sagen, aber ich vermute, es liegt daran, das keiner genau darüber Bescheid wusste und meine Fragen beantworten konnte. Es hieß immer, es ist zu kompliziert um da durchblicken. Das hat mich vermutlich angestachelt und mein Interesse geschürt.

    Allerdings musste ich auch schnell bemerken, das dieses Thema wirklich undurchsichtig ist. Extrem viel Propaganda von beiden Seiten und unsere Medien immer sehr einseitig. Um mir wirklich eine Meinung bilden zu können musste ich da hin. Israel stand ganz oben auf meiner Favoriten Liste.

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    Als ich 2010 in München bei der deutschen Niederlassung einer israelischen Firma angefangen hatte, kam ich dem ganzen schon ein Stück näher. 2011 wurde ich dann tatsächlich zu einem technischen Seminar eingeladen. Mit einem Kollegen zusammen beschloss ich, dass wir an die fünf Tage Seminar noch eine Woche dran hängen, um uns das Land anzuschauen.

    Tel Aviv

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    Am Freitag Abend bin ich alleine in Tel Aviv gelandet. Der Flug meines Kollegen ging am Samstagmorgen.

    Aus dem Flughafen Gebäude raus kommend, habe ich mich auf die Suche nach einem Zug gemacht. Als der erste Taxifahrer kam und meinte heute geht kein Zug, dachte ich noch:
    „Ja, klar, du willst Geld verdienen und erzählst mir hier geht heute kein Zug. So dumm bin ich bestimmt nicht!“

    Bin ich doch, es ging nämlich wirklich kein Zug, von Freitagabend bis Samstagabend, zwecks dem jüdischen Ruhetag Sabbat. Egal, dann 40 Euro fürs Taxi nach Tel Aviv bezahlen. Gebucht hatte ich mir ein Hostel in der Nähe vom Strand.

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    Ziemlich schnell habe ich auch die Preise bemerkt. Ein Bier 4-6 Euro, Essen wie z.B. Burger 16-20 Euro. Mein erster Gedanke, dass sind ja Schweizer Verhältnisse hier. Die Preisspanne war im Supermarkt und überall sonst ähnlich, alles so um 20-30% teurer als bei uns. Man bedenke dass die Löhne mit Deutschland vergleichbar sind, eher um die 10% niedriger.

    Ich hab dann sie Stadt am ersten Abend allein erkundet und sie auf mich wirken lassen. In einer Bar habe ich ein Lehrerpärchen aus Jerusalem kennen gelernt und ich bin bis zum Morgen mit denen um die Häuser gezogen. Es war eine coole Truppe und ein echt schöner Abend. Das einzige, was mir extrem missfiel, waren die vielen Waffen. Hotelportier und Jugendliche mit 18-19 Jahren tragen ihre MG in der Bar oder im Club. Männer haben 3 Jahre Militärdienst und dürfen in der Zeit die Waffe nicht aus der Hand legen, nicht im Urlaub, nicht auf dem Klo und auch in der Nacht muss das Gewehr neben dem Bett liegen.

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    Frauen müssen auch 2 Jahre Dienst leisten.

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    Auch an Supermarkteingängen und Hotels stehen Wachen mit Pistolen. Aber sogar Privatleute tragen auf der Straße oder beim Wanderausflug sichtbar ihre Waffe.

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    Tags darauf haben wir uns einen Mietwagen organisiert. „Sie dürfen nicht in die palästinensischen Gebiete fahren, wenn was passiert können wir euch nicht helfen, wir dürfen da nicht hin.“ Israelis dürfen nicht in die Autonomiegebiete und Palästinenser dürfen nicht nach Israel. In Jerusalem sind sogar Gebiete durch eine Mauer getrennt. Die Israelis nennen sie aber nicht Mauer, das erinnert wohl zu stark an was anders. Für sie ist es die Barriere, welche nur zum Schutz vor den Palästinensern gebaut wird. Naja, sieht aus wie eine Mauer die Völker trennt, nur dass diese an manchen stellen einfach aufhört und man drum rum laufen kann, zumindest wenn man das darf. Schon mal was von Apartheid gehört?

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    Die Autokennzeichen sind verschieden: Israel Gelb und Palästina Weiß. Strom und Wasser wird von Israel kontrolliert und kostet die Palästinenser ca. 100% mehr als die Israelis. Alle Güter, die aus dem Ausland kommen, werden nochmals von Israel mit 100% versteuert, bevor sie in den Palästinensischen Gebieten verkauft werden dürfen. So könnte ich noch seitenlang weiter machen. Nicht vorstellbar, wie sich die Menschen im besetzten und abgeriegelten Gaza fühlen, die oft weder Strom noch Benzin für die Generatoren haben. Ich verurteile zu tiefst die Raketenangriffe der Hamas, dies ist eine radikale und fanatische Gruppierung. Allerdings sind es die einzigen, die Versuchen an der Menschenunwürdigen Situation in Gaza was zu ändern. Der Rest der Welt sieht ja nur zu. Ich verurteile Gewalt in jeder Situation, aber kann auch verstehen, dass sich Menschen die in die Ecke getrieben werden, wehren.

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    Wir sind irgendwie im Sudanesischen Viertel in Tel Aviv gelandet. Auf jeden Fall krass, es mal anders herum zu Erleben. Wir waren auf der Straße die einzigen Wießbrote, sonst nur pechschwarze Menschen um uns. Ich fand das eine interessante Erfahrung.

    Jaffa

    Nach dem ersten kurzen Abstecher in den Sudan sind wir nach Jaffa, einer alten arabischen Stadt. Angeblich die älteste, aber zumindest eine der ältesten Städte am Mittelmeer, mit 2500 – 3000 Jahren.

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    Beer Sheva

    Eigentlich wollten wir weiter nach Ashkelon, um dort zu übernachten. Haben uns dann aber spontan dazu entschieden in die Negev Wüste zu fahren und ein Beduinencamp aufzusuchen. Tage darauf hatten wir erfahren, dass in dieser Nacht drei Kazam Raketen der Hamas in Ashkelon einschlugen.

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    Da es in Israel im November um ca. 17:00 Uhr schlagartig stockdunkel wird, vor allem in der Wüste, war es keine leichte Herausforderung die Wüstenwegabzweigung zu finden. In dem Camp angekommen, stellten wir fest, dass wir die einzigen Gäste waren.

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    Wow, und dann der Blick nach dem erwachen. Mein erster Aufenthalt in der Wüste und diese unglaubliche Kulisse:

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    Nach dem Frühstück sind wir so um die drei Stunden durch die Wüste gelaufen, bis es uns zu hieß wurde. Zurück ins Auto und ab nach Eilat, das angebliche israelische Las Vegas. Die Fahrt durch den Negev war super schön, die unterschiedlichen Brauntöne und das rot des Jordan Gebirges.

    Eilat

    Auf dem Weg zwischendurch immer wieder Palmen Oasen und dann die Skyline von Eilat. Nach dem einchecken im Hostel und einen Happen zu Essen wollten wir dann endlich zocken gehen. Wir haben drei Israelis gefragt und nach der dritten gleichen Antwort es dann auch geglaubt – Glücksspiel ist in Israel verboten und Casino`s gibt es keine in Eilat. Warum heißt es dann das Las Vegas von Israel? – Ach, zwecks der Skyline und den bunten Lichtern. Na super!

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    Eilat hat eine  Ausstrahlung wie Bibione oder Rimini, also bloß weg hier. Erst ein mal an den Strand am Roten Meer und ein bisschen Schnorcheln. Auf der Suche nach einem schönen Strand, standen wir auf einmal vor einem riesigem Militäraufgebot – die Grenze zu Ägypten. Ganz schön nahe. Ok, 500 Meter zurück und dann zum Baden, aber bloß nicht nach Ägypten schwimmen. Die Korallen Riffe sind schon sehr beeindruckend, so eine Vielfalt an Farben hab ich als Mittelmeertaucher noch nicht erlebt. Traumhaft!

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    Ein Boot wollten wir uns auch mieten, das ging aber nicht, da die meinen Schein nicht anerkannt haben. Nur ein israelischer Schein wurde akzeptiert. Nach zehn Minuten streiten, hat er uns dann mit einer 5PS Badewanne abgespeist. Wie lange wir den fahren wollen? Ja, so zwei Stunden, meinte ich. Warum? es sind doch nur 15 Minuten zum Delphinbecken. Ich muss das Boot nach 45 Minuten zurück geben. Das Delphinbecken interessiert mich nicht, ich kann beim Segeln Delphine in Freiheit sehen, ich brauche so was nicht. Delphine legen sehr große Strecken zurück und sind extrem intelligente und aktive Tiere. Einen Delphin einzusperren ist Tierquälerei! Aber der Vermieter hatte wohl Angst, dass wir sonst zu nah an die Grenze kommen, oder sogar drüber fahren, vermute ich mal.

    Masada

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    Wieder in die Nacht rein fahrend, sind wir dann in Masada angekommen. Das Hotel am Fuße des Masada Hügels war ein unglaublich hässlicher Betonklotz, mitten in der Wüste. Masada war eine jüdische Festung, welche von den Römern besetzt wurde. Wie lange die Belagerung statt fand ist umstritten. Allerdings haben sich die Belagerten dazu entschlossen in Freiheit zu sterben und so stürzten sich 960 Männer, Frauen und Kinder in den Tod als der Widerstand aussichtslos wurde. Heute müssen alle israelischen Soldaten hier ihren Treueeid leisten.

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    Wir sind am nächsten Tag hoch und wieder runter gelaufen. Der Hügel ist ca. 400 Meter hoch, bzw. befindet sich die Oberfläche bei ca. 0 Metern und das Tal ist 400 Meter tief. (Die verrückten nehmen nicht die Seilbahn, sondern den „Snake Path„!) Oben findet man eine sehr interessante Ruine vor, mit noch zum Teil Originalfarben von vor 2000 Jahren. Und die Aussicht von da ist überwältigend!

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    Das Tote Meer im Hintergrund

    En Gedi

    Danach ging es weiter an En Gedi, einer Oase am Toten Meer. Es stimmt, man kann darin wirklich im Wasser sitzen. Im Gegenteil, wenn man versucht sich aufrecht zu halten, schwingt man wieder hoch wie eine Boje. Allerdings ist das Wasser so salzig, dass man nicht länger als 10 Minuten drin verbringen soll, ansonsten trocknet man aus. Wer versehentlich ein bisschen was von dem Wasser verschluckt muss unverzüglich behandelt werden. Tauchen oder den Kopf unter Wasser zu halten sind streng Verboten. Man muss sich nur kurz mit der Zunge an der nassen Hand berühren und man weiß warum. Schmeckt nicht wie Salz, sondern wie Säure!

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    Eigentlich wollten wir nun endlich nach Palästina, in eine der ältesten Städte der Welt. Erst haben wir Jericho nicht gefunden und als wir wider in der Dunkelheit ankamen, funktionierte dort kein Bankomat. Wir haben alle durchprobiert und nach über zwei Stunden beschlossen, doch weiter nach Jerusalem zu fahren.

    Jerusalem

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    Alle Hostels befinden sich in der Altstadt in die man aber nicht mit dem Auto fahren kann. OK, Auto irgendwo in der Nähe parken – ein günstiges Hostel suchen und dann nochmal die ganzen Sachen aus dem Auto holen. Kurz ist die Stimmung umgeschlagen, da wir total gestresst und Hungrig waren.  Wir haben uns dann, nach langem Suchen, das wohl schlimmste Hostel in ganz Jerusalem ausgesucht, mit einem Zimmer ohne Fenster. Nur das vom Klo ging in die Empfangshalle – ja, richtig gehört. Ein modriger Gestank ohne Ende und wir Deppen haben gleich zwei Nächte gebucht.

    Palästina

    Da wir ja mit der Firma nochmal einen Jerusalem-Tag machen wollten, sind wir am nächsten Tag raus aus der Stadt und in die palästinensischen Autonomiegebiete Richtung Jenin. Vorbei am Checkpoint, sind wir durch Nablus, Ramallah und andere Orte auf der Straße 60 gekommen.

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    Den ganzen Tag sind wir planlos durch die Gegend gefahren. Zwischendurch gab es einen extrem leckeren Lammcheesburger für fast umsonst, zumindest im Gegensatz zu Israel. Die Gegensätze waren schon extrem. Hier sagen wohl Bilder mehr als tausend Worte.

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    Um die letzte Nacht in unserem Hostel zu überleben, haben wir uns in einer Bar daneben die Kante gegeben, aber total. Extrem verkatert bugsierte ich uns am nächsten Tag mit unserem Deihatsu nach Haifa.

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    Haifa

    Haifa ist eine extrem entspannte und moderne Stadt.

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    Nach den vielen Eindrücken und dem turbulenten Jerusalem echt mal erholsam. Tel Aviv ist ebenfalls sehr modern und so unglaublich Facettenreich, man biegt um die Ecke und befindet sich sofort in einer anderen Welt. Die ein Straße ganz Nobel die nächste wieder dritte Welt. Sehr interessant. Jerusalem ist energetisch der Wahnsinn und auch sonst viel Wahnsinn, aber auch sehr anstrengend.

    Nachdem wir das Auto abgegeben hatten, suchten wir unsere Hostel am Camel Berg. Wieder hatten wir die ganze Anlage für uns allein. Der Abend wurde gemütlich in einer Strandbar verbracht. Mal etwas erholen.

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    Auf dem Rückweg ist uns eine Kuh über den Weg gelaufen. Mitten in der Stadt, so was kommt auch nicht häufig vor.

    Tiberias

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    Nun war wieder Samstag und unser Urlaub endete. Abgeholt wurden wir mit einem amerikanischen Van mit getönten Scheiben. Nobel! Im Regen ging es dann nach Tiberias, wo sich unser Hotel befand. Und die Stimmung war am Nullpunkt. Der Ort war grottenhäßlich, genauso wie das Hotel und das Wetter noch oben drauf. Essen oder Kaffee gab es nicht, war ja wieder Sabbat. Die Fenster im Zimmer klebten vor Dreck. Es war die Hölle.

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    Jeden Tag ging es morgens mit dem Gemeinschaftsbus nach Nazareth in die Firma und Abends wieder nach Tiberias. Die Stadt liegt am See Genezareth (Galiläa), im Norden des Landes.

    Das technische Seminar war Sau anstrengend, technische Details auf Englisch zu lernen, jeden Tag knappe zehn Stunden und nebenher noch die normale Arbeit. Interessant war es, die Kollegen aus USA, Kanada, Frankreich, England, Japan und Russland kennen zu lernen und natürlich meine israelischen Kollegen vor Ort endlich mal face to face zu sehen.

    Golan

    Am letzten Freitag (ist ja bereits Wochenende in Israel – die Arbeitswoche geht von Sonntag bis Donnerstag), sind wir dann in die Golanhöhen gefahren.

    Gruppentaufe im Jordan

    Gruppentaufe im Jordan

    Nachdem wir uns das dritte mal angehört hatten, das dies nun die erste Kirche ist, die es jemals gab, wurde das ganze unglaubwürdig und ich extrem genervt von den christlichen Geschichten. Klar, Jesus hat mit einem Fisch tausende von Menschen damit satt gemacht. Wusste gar nicht, dass es so große Fische im See gibt. Also, den will ich sehen. Eigentlich gibt es ja auch keine tatsächlichen, geschichtlichen, unabhängigen Aufzeichnungen vom Leben und Wirken eines Jesus, obwohl zu der Zeit so gut wie alles aufgezeichnet wurde. Jesus heißt übrigens „der Gesalbte“ und war damals ein Titel den mehrere Menschen trugen. Aber hier ist er definitiv lebendig und die Leute hauen sich zwecks ihm den Schädel gegenseitig ein.

    Capharnaum: Angeblicher Wohnort Jesu

    Capharnaum: Angeblicher Wohnort Jesu

    Umso eindrucksvoller war ein Hügel (Mt Avital), von wo aus man den Libanon und die Grenze zu Syrien sehen konnte.

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    In Syrien ist damals gerade der Bürgerkrieg ausgebrochen und man konnte von dort die Rauchschwaden in Richtung Damaskus sehen.

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    Danach haben wir noch ein ehemaliges Schlachtfeld besucht, auf dem noch die Panzer rum standen.

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    Es gab dann noch eine Portion Propaganda in einem Kibutz, wie tapfer doch die israelische Armee die Syrer fertig gemachten hatten.

    Umgeben von schöner Natur ging es vorbei an Wiesen mit „Danger Mines“ schildern und zerbombten Häusern zurück ins Hotel. Niemand hat mehr ein Wort gesprochen – alle hatten wir einen Klos im Hals. Hier ein paar Eindrücke:

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    An dem Abend haben wir uns mit den Amis die Kante gegeben, dementsprechend schlecht ging es mir am nächsten Tag – der Ausflug nach Jerusalem.

    Wir sind entlang der Jordanischen Grenze Richtung Süden gefahren durch Palästina.

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    Weiter ging es dann, vorbei an freien Kamelen und nicht so freien Beduinen.

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    Die Beduinen sind normalerweise ein nomadisches Volk, das heißt sie leben umherziehend, ohne festen Wohnort. Sie ziehen in Gruppen umher und leben in Zelten. Aber dies wurde ihnen nun von der Israelischen Regierung verboten. Es wurden Reservate für die Beduinen angelegt, in denen sie nun fest in Wellblechhütten leben sollen.

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    Jerusalem Teil II

    Nachdem wir das christliche abgehackt hatten, also Via Dolorosa usw., gingen wir zur Klagemauer. Hier ist die Energie so stark, dass es fast beängstigend ist. An der Klagemauer gibt es unten links einen kleinen Eingang, dort sitzen die Hardcore ultraorthodoxen Juden und sind zum Teil apathisch am Beten.

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    Nach einiger Zeit viel mir auf, dass viele der orthodoxen körperliche Gebrechen hatten, schiefe Körperhaltung, nach innen verdrehte Füße usw. Der Gedanke an Inzucht ist hier schon naheliegend. Man muss wissen, dass man nicht einfach orthodoxer Jude werden kann, nein, man muss so geboren werden und man darf auch nur untereinander Heiraten. Somit wäre es naheliegend. Einige der Orthodoxen (ultragläubigen) lehnen auch Israel als ihren Staat ab. Da angeblich in der Thora steht: Die Hebräer sind dazu verurteilt im Exil zu leben bis ihr Heiland kommt und Ihnen einen Platz auf der Welt zu weist. Da dieser noch nicht da war, lehnen sie Israel als unrechtmäßigen Staat ab. Viele davon sind auch auf der Seite der Palästinenser.

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    Jerusalem ist wunderschön, aber auch gleichzeitig abgrundtief hässlich. Hier treffen die drei Weltreligionen aufeinander und diese Spannungen spürt man bei jedem Schritt und jedem Atemzug. Das dies verwendet wird, um so viel Leid in der Welt zu erzeugen ist Unglaublich. Hier sieht man, wie Religion heute noch töten kann. Alte Geschichten werden benutzt um andere Menschen zu vertreiben oder zu töten und das, aber von jeder der drei Religionsgruppen, ohne Einschränkung. Da ist keiner besser. Die Politiker nehmen die Religion natürlich als Grund um die Bevölkerung aufzuwiegeln und ihre Interessen, wie Landraub oder Widerstand durchzusetzen.

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    Irgendwann um 4 Uhr morgens musste ich los zum Flughafen. Man sollte gut drei Stunden für die Sicherheitschecks einplanen. Und ja, die brauchte ich. Dreieinhalb Stunden immer die selben Fragen. Positiv daran ist, dass so was nicht so abläuft wie in Bayern, sondern den Sicherheitscheck übernimmt eine private Firma in der hauptsächlich junge und hübsche hebräische Mädels arbeiten, die ganz zuvorkommend und super freundlich sind. Das lässt man sich doch gerne durchsuchen. Die haben mir sogar den Rucksack wieder komplett eingeräumt. In Deutschland muss man froh sein, wenn nach der Kontrolle nicht alles aufgeschnitten ist. Außerdem war ich nach den zwei Wochen, mit ständigen Waffen um mich, eigentlich ganz froh um diese Kontrolle. Ich hab diese mal ausnahmsweise für sinnvoll erachtet.

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    Noch nie in meinem Leben war ich am Ende einer Reise so weit, dass ich nur noch nach Hause wollte. Bisher war das noch nie so. Aber die zwei Wochen waren so widersprüchlich und überall ist politischer und religiöser Wahn zu sehen und spüren. Die ganzen Waffen immer und überall sind anstrengend, zumindest für mich. Ich habe ganz liebe und herzliche Menschen kennen gelernt, auf beiden Seiten aber die Stimmung war in Palästina definitiv angenehmer, nicht so hyperangespannt und misstrauisch.

    Generell hatte ich sehr schöne Momente hier und auch die Natur ist so extrem vielschichtig. Man kann am morgen im Golan Skifahren und am Nachmittag im Meer schwimmen gehen. Israel und Palästina sind definitiv einen Besuch wert, wenn ich nicht sogar soweit gehen würde zu sagen, man muss sich dass mal ansehen. Aber man sollte auch darauf gefasst sein, menschliche Abgründe und Gräueltaten zu erleben bzw. berichtet zu bekommen, aus erster Hand. Nach einem Besuch in diesem Land, denkt man anders über die Welt, also wenn man zumindest mit halbwegs offenen Augen durchs Land geht.

    Fin.

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    !!! FREE PALESTINE !!!

    Eindrucksvolle Empfehlungen für alle, welche dieses Thema etwas tiefer beleuchten wollen:

    Die Dokumentation: 24 Stunden Jerusalem

    Ein Film über das Leben im Nahen Osten: Die Frau die singt – Incendies

    Ein Film über das Leben in Gaza: Das Schwein von Gaza


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    Reiselebenslauf

    3 Kommentare zu “Israel/Palästina Nov 2011

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