Interview with Seleva and Camp Külünce

(English below…)

Interview with Seleva and Camp Külünce

Interview in dem Flüchtlingslager Sehid Gellard nahe Külünce (Merz 2015)

Hintergrund

Camp Külünce2Nach meinen ersten Interviews im Lager Arin Mirkam bin ich nächsten Tag nach Külünce, dem größten Lager dieser unabhängigen Organisation. Direkt nach meiner Ankunft, traf ich Seleva, die sehr gut englisch spricht und mir mit Übersetzung half, bei meinen Interviews. Sie ist eine Art Lagermanager und ich konnte auch mit ihr ein Interview über das Lager und ihre persönliche Geschichte führen, da sie in meinen Augen ein echter Held ist und ich ihre Geschichte niederschreiben musste. Seleva hat so viel Energie in ihren Augen und Du kannst fühlen, dass Helfen ihre große Mission ist – sie wird ihr Leben lang für die Menschen kämpfen!

Ich konnte zwei Familien interviewen und sah erneut, dass es den Menschen so wichtig ist ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Da ist Jemand, der sich für sie interessiert, ihnen zuhört und alles über ihr Schicksal wissen will. Das hilft ihnen sehr.Külünce GateNachdem ich all die Informationen in den Tagen bekam, die schlimmen Erfahrungen der Familien, ihre Traurigkeit, die Informationen darüber, wie die türkische Regierung die heldenhafte Arbeit dieser zivilen Menschen versucht zu manipulieren und zu stoppen, welche nur den Menschen helfen wollen, macht mich extrem traurig. Nach all den Erfahrungen, war ich erst einmal erledigt und musste raus aus den ganzen Projekten – Urlaub machen, um über all dies nachzudenken und es zu verarbeiten.

Aber hier erst mal die Interviews:

Interview mit Seleva (22) aus Aleppo (Ihr Vater ist aus Van – eine kurdische Familie)

Ihre Geschichte:

SelevaSeleva ist stellvertretender Lagermanager in Külünce.

Ich war ein Jahr an der Universität Aleppo, um dort Jura zu studieren, aber ich hörte auf, um ein Jahr als Freiwillige zu helfen und ging zu Dörfern und Häusern rund um Kobane, um Essen, Kleidung und alles nötige dort hin zu bringen. Danach bin ich zurück nach Aleppo, aber als die ISIS nach Kobane kam, bin ich direkt zurück um mit der Arbeit weiter zu machen. Ich war auch an der türkischen Grenze um den Leuten zu helfen. Hier her kam ich vor acht Monaten als freiwillige Helferin und arbeite nun, zusammen mit Freunden an diesem Projekt.

Als ich in Kobane ankam, habe ich die ISIS gesehen – die hätten mich natürlich umgebracht, da mein Vater ein kurdischer Politiker ist. Allerdings hatte ich einen gefälschten arabischen Pass und war komplett verhüllt.

Ich werde überall hin gehen, um zu helfen. Die Religion oder Politik der Menschen interessiert mich nicht – mich macht es einfach nur glücklich hier diese Arbeit zu machen. Wenn die ISIS geschlagen ist und meine Arbeit hier getan ist, werde ich nach Aleppo zurückgehen, um mein Studium fertig zu machen, aber im Moment werde ich hier gebraucht.

Über das Lager:

Das Lager wurde vor fünf Monaten eröffnet, November 2014. Wir haben 900 Zelte, wir wollten mehr aufstellen, aber die türkische Regierung stoppte uns und drohte, wenn wir mehr aufbauen, werden sie das ganze Lager abreißen, zur Not auch mit Gewalt. Die deutsche Kirche hat einen Kinderspielplatz und eine Küche aufgebaut und unterstützt uns mit Kleidung.

Külünce KitchenSie haben auch das große Zelt aufgebaut.

Tent KülünceVor dieser Unterstützung hatten wir nur Reis und Suppe für ca. vier Monate, deswegen wurden viele Leute krank. Es gibt auch weitere kurdische Organisationen, die uns unterstützen, aber nur heimlich, da sie sich vor Problemen mit der türkischen Regierung fürchten. Wir bekommen auch viele freiwillige Helfer aus allen Ländern der Welt.

Külünce Water placeDie Geschichten der Familien sind meist ähnlich, manchen verloren ihre Kinder an die ISIS, Familienmitglieder haben ihr Leben verloren und die meisten haben ihre Häuser verloren, da diese von ISIS niedergebrannt oder zerstört wurden.

Die ISIS hat aus einer Schule, Schüler und Studenten entführt, davon wurden 13 umgebracht und viele wurden nach einiger Zeit verrückt. Manche konnten von den reichen Familien frei gekauft werden. Die Kinder fanden nach fünf Monaten einen Weg um weg zu rennen.

Momentan haben wir im Lager alles im Griff, die Lage ist sehr gut. Wir bekommen gute Unterstützung und organisieren alles, wie eine Familie. Wir passen auch auf die familiären Probleme auf und versuchen zu schlichten. Wenn Jemand aus der Familie Gewalt gegen die Kinder oder die Ehefrauen anwendet, versuchen wir zu intervenieren. Wenn dies nicht klappt, müssen wir auch Leute raus schmeißen. Wir mussten das leider in der Vergangenheit schon machen, die Leute müssen das Lager dann verlassen.

Külünce KidsDie NGO „Sponsor for Life“ unterstütze das Lager, aber als die Regierung ärger machte haben diese ihre Unterstützung eingestellt. Die Regierung trennte die Strom und Wasserversorgung vom Lager mehrfach ab und eines Tages kamen sie sogar mit Armeefahrzeugen und Panzern vom Regierungslager AFAD, um die Arbeit im Lager zu stoppen. Die Organisationen stoppten deswegen ihre Unterstützung offiziell, da sie auch großem Druck von der türkischen Regierung ausgesetzt wurden. Die Regierung will die Arbeit der kurdischen Unterstützer stoppen. Nachdem die Versorgung mit Elektrizität mehrfach durchtrennt wurde, haben wir unsere eigenen Generatoren gebaut, um unabhängig zu sein.

KülünceÜberall, wo die ISIS geschlagen und zurück gedrängt wurde, haben sie Mienen und Bomben zurück gelassen. Diese sind in den Häusern, aber auch in den Leichen versteckt. Wenn die Flüchtlinge nach Hause kommen, explodieren viele. So arbeitet die ISIS. Es ist sehr gefährlich für die Menschen nach Hause zurück zu kehren.

Interview mit Osman Ahmet (52) aus Bilek, einem Dorf nahe Kobane und seiner Frau Melehba Mahmut (40)

Family OsmanWir haben neun Kinder und sind seit drei Monaten hier im Lager. Als die ISIS kam und unser Haus angriff, sind wir erst nach Kobane und dann hier her in die Türkei geflohen.

Wir sind mit dem Auto bis zu Grenze gekommen und haben alles andere im Dorf zurück gelassen – wir hatten nur, was wir am Körper trugen. Die ISIS hat unser Haus zerstört – wir haben nichts mehr!

Ich habe die ISIS kommen sehen und wollte bleiben und kämpfen, aber als ich sah, was diese mit unseren Nachbarn machten – sie haben deren Köpfe abgetrennt – sind wir einfach nur weg gerannt.

Das Leben in dem Lager ist OK, aber mit Sicherheit nicht Vergleichbar mit unserem Leben davor. Zwei meiner Kinder kämpfen gerade gegen die ISIS in der kurdischen Armee. Unsere Tochter in der YPJ (Armee für Frauen) und unser Sohn in der YPG (Armee für Männer). Dies ist die syrische Version der PKK.

Wir hoffen, dass unser zu Hause wieder frei sein wird in naher Zukunft, momentan wird noch das ganze Dorf von ISIS kontrolliert, und wir beschütz werden.

Die Schwester von Melehba ist eine Märtyrerin. Sie ist nach Kobane zurückgekehrt, um eine Freundin zu treffen. Viele, die zurückkehren, tragen einen Bombengürtel um diesen zünden zu können, falls sie in die Hände der ISIS geraten. Sie sagen, es ist besser sich selbst in die Luft zu sprengen und ein paar ISIS Leute mitzunehmen, als von denen umgebracht zu werden. Nachdem sie von der ISIS erwischt wurde, hat sie sich selbst und drei ISIS Kämpfer in die Luft gesprengt. (Solche Geschichten hört man öfters).

Family Osman y MeDas einzige was wir uns wünschen und wollen, ist unser altes Leben zurück zu bekommen, aber dies ist nicht möglich, alles ist zerstört, wir haben nichts mehr.

Interview mit Adele (37) aus Siran, einem Dorf nahe Kobane

AdeleIch bin hier mit meiner Familie, alle zusammen sind wir zu acht. Wir kamen von Siran, einem kleinen Dorf in der Nähe von Kobane. Wir sind nun seit drei Monaten hier.

Die ISIS kontrolliert unser Dorf und wir sind nach Kobane geflohen und von dort hier her, in dieses Lager. Die ISIS kam nach Kobane am 17.09.2014. Sie haben Bomben auf Kobane geworfen und jeder ist gerannt um zu flüchten. Heute kontrollieren sie immer noch einige Dörfer rund um Kobane. Sie trennen die Köpfe der Kruden ab.

Als wir das erste Mal hörten, dass sie ISIS kommt, wollten wir bleiben und kämpfen. Nur die Frauen und Kinder sollten fliehen, zwecks den Vergewaltigungen und die Zwangsheirat, meist mit zehn Männern gleichzeitig.

Das Leben hier im Lager ist OK, es ist besser als im Krieg zu sein, aber ich vermisse meine zu Hause so sehr. Wir sind Bauern und hatten ein schönes Haus und ein gutes Leben.

Adele y meIm Winter war es hier sehr kalt, wenn der Strom funktionierte, war es ganz in Ordnung. Wir wollen zurückgehen, sobald die ISIS weg ist, aber niemand wird uns in Zukunft helfen. Alles was wir wollen, ist einfach nur Frieden nach alle dem. Aber wir werden nichts haben – ich bin so traurig….

Fin.Camp Külünce Big tent


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English Version

Interview with Seleva and Camp Külünce

Interview at the Refugee Camp near Külünce – Sehid Gellard (from March 2015)

BackgroundCamp Külünce2

After my fist interviews in the Camp Arin Mirkam, I went on the next day to Külünce, the biggest camp of this independent organization. Directly after I arrived, I met Seleva, a girls who spokes very good English and helped me translating for my interviews. She is a kind of a Camp Manager and I could make an interview with her as well about the Camp and her personal story, because this person is a real hero and I had to catch her story. Seleva had so much power in her eyes and you could feel that helping is her passion – she will ever fight for the people.

I could interview two families and saw again, that the people are so happy to tell their personal story to someone. There is someone who listen to them and want to know everything about their bad experiences. This helps the refugees.Külünce Gate

After all this information’s I got in these days – the bad experiences from the families, their sadness and also the information’s I got about the Turkish government, who tries to manipulate and stop the work of these heroic civil people, who just try to help all the refugees – made me so sad. After this experience I was done – I needed some days of getting off from my doings to rework on all this impressions.

But here are the interviews:

Interview with Selava (22) from Aleppo (her grandfather is from Van – so the family is Kurdish)

Her story:Seleva

Selava is a kind of an in official Camp Manager.

I was for one year at University in Aleppo and studied law, but I stopped to do volunteering in relief one year and went to every place like villages and houses around Kobane to bring food, clothes and other needed stuff. I went back to Aleppo, but when the ISIS was coming to Kobane, I directly went back to help and work here again. I was also on the Turkish border to help the people. I came to this place before eight month, also as volunteer and now I work for this project together with friends.

When I arrived to Kobane I saw the ISIS – and of course they would kill me, because my father is a Kurdish politician. But I had a faked Arabic ID and was covered completely.

I will go anywhere to help – I don´t care about religion and politics – I feel really happy here doing this. After the war here will be finished and the ISIS went back, I will go home to finish my University in Aleppo, but in the moment – I will be needed here.

About the Camp:

The Camp was established and opened before five month, in November 2014. We have 900 tents and we wanted to make more, but the government stopped us and said if we make more, they will close the whole Camp, with violence if needed. The German church build a children park, a kitchen and supported us with clothes.

Külünce KitchenThey also build the big tent.Tent Külünce Before this support, we had just rice and soup for about four month and a lot of people got sick. There are also some organizations they still support us, but just secretly, because they have fear from the government repressions. We also had a lot of volunteers in the last five month they supported us from all over the world.Külünce Water place

The stories about the families are mostly similar, some lost their children to the ISIS, got killed and the most lost their houses, because they got burned and destroyed from the ISIS.

The ISIS took some students and killed 13 of them – many others got crazy. They gave them no food. The kids find a way to escape and run away after five month. Others could get free, by paying a lot of money from their families.

In the Camp, we have a very good situation now, we get good support and organize here everything a family – we also take care about the family situations and try to invent here. If families use violence against their children’s or wife’s, we try to sleek the family problems, but if it doesn’t work, we have to bane people. We had to do this in the past, then they have to leave the camp.Külünce Kids

The NGO “Sponsor for Life” supported the Camp, but after the government made trouble, they stopped their help. The government came and cut the electricity several times and arrived one day from the AFAD Camp with army cars and tanks, to stop the Camp. The organizations stopped therefore the support, because they became a lot of pressure from the Turkish government. The government wants to stop the work of Kurdish supporters, so they cut electricity, water and so on. But we build our own transformers to be more independent.Külünce

Everywhere the ISIS moved away, they left a lot of bombs and mines in the houses, dad body – everywhere. When the families go back, a lot of them explore. That’s the way, how the ISIS is working. It is dangerous to go back to the houses.

Interview with Osman Ahmet (52) from a village near Kobane (Bilek) and his wife Melehba Mahmut (40)Family Osman

We have nine children and we are since three month in the camp now.

ISIS came to attack our house – so, we were leaving to Kobane and later to Turkey.

We came by car to the Turkish border and left everything we had at the village – we just had our clothes on the body with us. The ISIS destroyed our house – we have nothing any more.

I saw the ISIS coming and wanted to stay and fight against them, but after I saw what they did with our neighbors – the cut the heads from them – we were just running.

The life in the camp is OK, but for sure not like our old life on our home place. We get everything what we need and they protect us, but it’s not the same like before. Two of my children are fighting in the Kurdish army again the ISIS, the daughter fights at YPJ (army for women) and the son at the YPG (army for mans). It’s the Syrian version of the PKK.

We hope that our land and home will be free in near future (there is still the ISIS controlling everything) and that we get protected.

The sister of Melehba is a martyr. She went back to Kobane, to meet a friend and everyone who is getting back near the ISIS area, carry a bomb with himself to explore if the ISIS should catch them. She say: it’s better to kill yourself and also some of the ISIS guys, then getting killed by them. After she got caught, she activated the bomb and killed herself and three of the ISIS members.Family Osman y Me

All that we want, is to get our old life back, but everything is destroyed – we have nothing anymore and it is not possible to get it back.

Interview with Adle (37) from Siran, a village near Kobane

I am here with my family, all together eight people. We came from Siran, a small village near Kobane. I am here since three month now.Adele

ISIS is controlling my village and I went first to Kobane and then to this Camp. The ISIS came to Kobane on 17.09.2014. They dropped bombs to Kobane and everyone was running to leave. Today they still control the villages around. They are cutting the heads from the Kurdish people.

As first we heard that the ISIS will come, we wanted to stay and fight for our home. Just the woman and the children should escape, because of violation and also of forcing marriage mostly with ten mans each women.

The life in the Camp is OK, better than to be on the war, but I miss my house so much. We are farmers and had a good house and life.Adele y me

The winter here, was very cold, but with energy and heater it was mostly OK. We want to go home after the ISIS will leave, but no one will help us. All what we want, is just freedom after all this, but we will have nothing any more – I am so sad.

Fin.

Camp Külünce Big tent


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2 Kommentare zu “Interview with Seleva and Camp Külünce

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