Wie alles begann

Wie alles begann

Fiberline

Zum Glück geht meine Erinnerung noch soweit zurück. Als ich vier Jahre alt war machte mein Vater seinen Bootsführerschein und kaufte unser erstes Boot. Ein Fiberline mit Aussenbordmotor. Eigentlich nur eine schwimmende Badewanne mit Küchenquirl. In Rabac (Jugoslawien) machten wir unsere ersten Versuche damit und sind am Wochenende auf der Donau in und um Straubing rum gedüst. Die meiste Zeit hab ich damals geschlafen. Kaum war der Motor an, war ich weg.

Cranchi

Das Fiberline wurde im Winter verkauft und im Frühjahr drauf hatten wir dann schon eine Badewanne mit Innenborder.

Cranchi

Unser Radius wurde größer und wir sind die Donau weiter runter, bis nach Österreich. In dem Cranchi konnte man nämlich schon schlafen.

Drago

Gleiches Spiel wie im Vorjahr. Cranchi wurde verkauft und wir bekamen unser erstes Kajütboot.

Drago Garten

Eine portable Toilette und eine Kochmöglichkeit war schon vorhanden. Für uns damals komplett ausreichend, ich war ja erst sechs Jahre alt.

Formula

Richtig geschätzt, ein Jahr drauf hatten wir unser Formula, meine große Liebe. Die „OCIN“ war ein umgebautes Off-Shore Rennboot.

Formula

Von dem Typ gab es weltweit nur drei Stück und der Vorbesitzer entfernte die großen Maschinen inklusive den Tanks und hat das ganze kleiner dimensioniert mit nur noch 2 X 275PS und 2 X 500L Tanks. Den neu gewonnenen Platz hat dieser genutzt, um eine Kajüte aus zu bauen. Man konnte zwar nicht stehen, aber ein offener Schlafplatz für vier Personen, mit Küche und fest installiertes Klo.

Unser Radius reichte nun schon bis Budapest. Was wir alles erlebten! Manchmal ist uns der Motor ausgefallen oder gleich beide, oder wir haben anderen geholfen die hilflos in der Donau trieben. Von Tankern fast zerquetscht werden beim Schleusen usw. Es war eine herrliche und spannende Zeit.

Formula Geisenhausen

Ende des ersten Jahres gab es dann Hochwasser an der Donau und sie mussten die Schleusen in Passau öffnen. Unser Liegeplatz war direkt hinter Passau und als dies passierte, ist der Hafen trocken gefallen. Nur, als das Wasser wieder kam und alle Boote wieder zu schwimmen begannen, hatte unsere sich so fest gesaugt, dass sie liegen blieb. Was für eine Überraschung, als der Hafen-Chef anrief und meinte von unserem Boot schaut nur noch die Antenne aus dem Wasser. Toll! Danach kam das Boot zu uns in den Garten und mein Dad hat die komplette Kajüte umgebaut und neu gemacht. Im Frühjahr drauf ging es wieder an die Donau nach Kasten bei Passau.

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Bis uns dann in Ungarn in der ersten Urlaubswoche ein Baumstamm erwischte, bei voller Fahrt. Einer der Antriebe war nur noch Brösel. Da es undenkbar war mit nur einer Maschine weiter zu fahren, vor allem gegen die Stromrichtung haben wir uns auf eine abenteuerliche Aktion eingelassen und einen zehn Tonnen Kran besorgt, der das Boot aus der Donau in Ungarn hebte. Ein Spektakel, unglaublich. Das Boot auf den Hänger und mit dem Geländewagen heim gezogen.

Formula Kran

Darauf hin begann die Ära Kroatien, denn uns ist sowieso auf der Donau langweilig geworden und wir buchten kurzer Hand noch eine Adria für eine Woche in Opatja (siehe auch: Kroatien 1988 – 2014). Der Rückwärtsgang und der Kühlschrank waren Kaputt. Eine Katastrophe. Das sind ja nicht gerade unwesentliche Funktionen.

Adria

Es war beschlossene Sache, dass wenn unsere „Ocin“ im nächsten Jahr wieder repariert ist, geht es direkt nach Kroatien und da bleibt sie dann fest liegen. Im Jahr darauf haben wir uns in Šimuni auf der Insel Pag nieder gelassen. Jeder freie Moment wurde genutzt, um dort hin zu fahren, sogar an langen Wochenenden. Wir haben ganz Istrien und die Kvarner Bucht unsicher gemacht. Viele verrückte Geschichten, als uns das Boot fast explodiert wäre haben uns begleitet.

Formula Simuni

Diese Erlebnisse und die viele Zeit, welche ich auf dem Wasser verbrachte, hatte mich wohl hochgradig süchtig gemacht. Mit dem Boot übers Wasser fliegen, die Freiheit, die Natur und die Grenzenlosigkeit auf dem Wasser haben mich komplett eingenommen. Ich habe mich zu Hause nie wirklich „zu Haus“ gefühlt. Aber, wenn ich am Wasser bin ist alles gut. Hier fühle ich mich bei mir selbst, in meinem Element.

1996 haben wir nach dem Krieg die Lokation nach Dalmatien gewechselt und schweren Herzens die „OCIN“ verkauft. Meine Mutter wollte mehr Komfort und eine Kajüte in der man stehen kann.  Außerdem waren wir es eigentlich Leid, dass wir mehr zeit in den Werkstätten verbrachten als auf dem Wasser, da die Motoren und Antrieb extrem anfällig waren. Kosten für die Ersatzteile überschlugen sich die Zeit auf dem Trockendock, die im Vergleich zu den Tagen auf dem Wasser, überhand nahmen. Trotzdem blutete mir persönlich hat das Herz. Meine „OCIN“ und ich, wir waren ein Team.

Bayliner 2655 Kommand Bridge

Als Nachfolger bekamen wir die Ricky. Nur noch ein Motor und nur noch 160PS. Wie langweilig! Mehr Platz war definitiv vorhanden und auch die Flybridge hatte was für sich. Man muss der Ricky zugute halten, obwohl es ein Bayliner war, ist sie sehr gutmütig, robust und treu gewesen. Fast nie gab es Schäden am Motor und auch sonst weniger Problem anfällig als ihr Vorgänger. Sie brachte uns sicher durch die Jahre in Dalmatien.

Ricky

Ich war das letzte Mal mit 16 Jahren bei meinen Eltern dabei und erst zwei Jahre später wieder mit Freunden. Diesmal wurde das Boot aber nur als Übernachtungsmöglichkeit genutzt und nicht zum Fahren. 2004 war ich das letzte Mal auf dem Boot als meine Eltern die Ricky aus Kostengründen verkauften und das Bootfahren aufgaben.

Ricky

Mein erster eigener Törn

Bis 2009 beschäftigten mich erst mal anderen Sachen und ich hatte das Bootfahren komplett aus dem Fokus verloren. Ich fühlte, dass mir was wichtiges fehlte aber ich kam nicht drauf was es war. Irgendwann kam mir die Erkenntnis, das ich auf dem Wasser sein muss um wirklich glücklich zu sein. Gleich darauf habe ich mich dran gemacht selbst einen Führerschein zu machen, so wie es finanziell ging. 2010 war es dann soweit und 2012 habe ich mein erstes Schiff selbst gechartert, einen Bayliner mit 36 Fuß, also geringfügig größer als unsere Ricky.

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Was mich von Anfang an störte, war die Thematik Benzin. Dazu kam, dass die Kiste auch nicht wirklich ins Gleiten kam und somit die langen Fahrten ziemlich langweilig wurden. Auch das Thema Umweltschutz, was immer mehr Platz in meinem Leben einnahm störte mich ein bisschen an der Benzinschleuder. Auf dem Törn habe ich dann Seglerinnen aus Wien kennen gelernt. Wir beschlossen, dass wir doch mal einen Törn zusammen auf einem Segelboot machen könnten und ich mir somit das Segeln mal anschauen könnte.

Vom Motorboot zum Segler

Als erstes haben mich nur die Kosten überzeugt, aber dann auch die Aktion, welche teilweise auf dem Segelboot herrscht, hatte mir gefallen. Beim Motorboot hat man halt außer anlegen und Ablegen nicht wirklich viel zu tun. Beim Segeln muss man schon mehr machen. Es ist mehr los, aber es ist auch nicht stressig. Allerdings war die Crew nicht sonderlich Erfahren und die Einweisung sehr dürftig, somit habe ich die ganze Woche fast nur Bahnhof verstanden und widersprüchliche Erklärungen bekommen, was mich extrem verwirrte.

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Elan 431

So, danach wollte ich Segeln lernen und hab den nächst höheren Schein angestrebt, der sich intensiv mit dem Segeln beschäftigte. Nach den ersten Lehrgängen habe ich meine erste Segeljacht Anfang 2012 gechartert. Denn, fahren könnte ich so was ja, zumindest was Ein- und Ausparken angeht. Wenn ich mit dem Segeln nicht klar komme dann wird halt gemotort. Aber ich hab das ganz gut gemeistert und mich hoffnungslos in das Segeln verliebt. Die Freiheit und vor allem die Ruhe -> Du fährst komplett ohne Motorgeräusch und ohne externen Antrieb, rein nur durch Windkraft. Sensationell auch das Gefühl dabei.

Nico, der Segler!

Seit dem bin ich total faszinierter und leidenschaftlicher Segler. Jetzt, Ende 2014 habe ich auch auf Segelbooten schon gute 2000 Nm zurückgelegt und meine Kenntnisse gefestigt. Mittlerweile habe ich eine Anstellung als Skipper für Kojencharter und Yachtüberführungen und bin für Aufträge immer offen.DSC_0144

Trotzdem werde ich den Motorbootfahrer in mir nie ablegen. In meiner Brust schlagen hier wohl zwei Herzen. Ich werde Mobo`s immer verteidigen, wenn wieder in Seglermanier gehetzt wird.

Skipper Nico

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Als Skipper werde ich mir die nächste Zeit immer wieder etwas dazu verdienen und Meilen sammeln. Ein größerer Törn von Europa nach Süd- und Mittelamerika sind bereits in grober Planung. Ich kann mir gut vorstellen Zeitweise auch auf dem Schiff zu Leben. Was heißt vorstellen, es wäre schon auch ein Traum, mal sehen was die Zukunft so bringt.

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Fin.


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Die Passion Segeln

Zudem bin ich als Skipper tätig. Anfragen bitte über Kontakt oder per Mail. Auch gerne wenn Du dich für das Mitsegeln interessierst.

Ein Kommentar zu “Wie alles begann

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